Ratgeber

Girokonto wechseln ohne Stress: Kontowechselhilfe, Ablauf, Fehler

Girokonto wechseln klingt nach Papierkram, ist aber seit dem Zahlungskontengesetz ein geregelter Vorgang, bei dem beide Banken mitarbeiten müssen. Hier erfährst du, wann sich ein Wechsel lohnt, wie die gesetzliche Kontowechselhilfe und die digitalen Kontowechselservices der Banken funktionieren und in welcher Reihenfolge du vorgehst, damit keine Lastschrift ins Leere läuft.

Redaktion onlinebanken24Aktualisiert 12. September 2026Lesezeit 6 Min.

Wann lohnt es sich, das Girokonto zu wechseln?

Ein Wechsel lohnt sich, wenn du für dein Konto zahlst, ohne dafür etwas zu bekommen. Viele Direktbanken verlangen 3,90 € bis 4,90 € im Monat, sobald der Mindestgeldeingang fehlt – also die monatliche Summe, die auf dem Konto eingehen muss, damit es kostenlos bleibt (Stand September 2026). Wer nach Jobwechsel, Teilzeit oder Rente unter diese Hürde rutscht, zahlt plötzlich rund 50 € im Jahr für dieselbe Leistung.

Ein zweiter Grund ist verändertes Verhalten. Wer früher nur mit Karte gezahlt hat und jetzt regelmäßig Bargeld einzahlt, merkt schnell, dass sein Online-Konto dafür nicht gebaut ist. Umgekehrt braucht jemand, der viel reist, eine Debitkarte ohne Fremdwährungsentgelt statt einer girocard. Und wer ein Gemeinschaftskonto braucht, kann bei manchen Anbietern gar nicht bleiben.

Kein Grund zum Wechseln ist dagegen eine Neukundenprämie allein. Solche Aktionen wechseln ständig und sind an Bedingungen wie Geldeingang oder Mindestlaufzeit geknüpft. Rechne stattdessen die Kosten für ein Jahr durch – wie das geht, zeigt unser Ratgeber Was kostet ein Girokonto wirklich?. Welche Konten infrage kommen, siehst du im Girokonto Vergleich.

Kontowechselhilfe gesetzlich: Was das Zahlungskontengesetz regelt

Seit 2016 hast du nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG) einen Anspruch auf Kontowechselhilfe. Das bedeutet: Wenn du bei einer Bank in Deutschland ein neues Konto eröffnest und den Wechsel beantragst, müssen die alte und die neue Bank zusammenarbeiten. Du erteilst der neuen Bank eine Ermächtigung, und die Banken übernehmen den Rest.

Die alte Bank muss der neuen Bank eine Liste deiner Daueraufträge, der eingehenden Überweisungen und der Lastschriften der vergangenen 13 Monate übermitteln. Die neue Bank richtet die Daueraufträge ein und informiert auf Wunsch deine Zahlungspartner über die neue IBAN. Für jeden dieser Schritte schreibt das Gesetz Fristen von wenigen Geschäftstagen vor, sodass der Wechsel insgesamt innerhalb von etwa zwei Wochen abgeschlossen sein kann. Auf Wunsch überträgt die alte Bank auch das Restguthaben und schließt das Konto zum gewünschten Datum.

Die gesetzliche Kontowechselhilfe gilt für Zahlungskonten in Deutschland in derselben Währung. Sie ersetzt nicht deine eigene Kontrolle: Ob alle Zahlungspartner umgestellt sind, prüfst du am Ende selbst.

Kontowechselservice der Banken: digital und meist bequemer

Neben dem gesetzlichen Verfahren bieten die meisten Banken einen digitalen Kontowechselservice an – ein Online-Tool, das nach Freigabe deine Umsätze der letzten Monate ausliest, daraus die Zahlungspartner erkennt und sie automatisch anschreibt. Von den 13 Konten in unserem Vergleich bieten 12 einen solchen Service; nur bei Trade Republic ist uns kein eigener Wechselservice bekannt (Stand September 2026).

Der digitale Service ist meist schneller als das gesetzliche Verfahren, weil du nicht auf die alte Bank warten musst: Du loggst dich mit den Zugangsdaten des alten Kontos ein, prüfst die erkannten Zahlungspartner und wählst aus, wer informiert werden soll. Die meisten Banken bieten ihn kostenlos an; ob ein Entgelt anfällt, steht in der Entgeltinformation der jeweiligen Bank.

Beide Wege kombinieren. Der digitale Service erkennt nur Zahlungspartner, die in den ausgelesenen Umsätzen auftauchen. Jährliche Abbuchungen wie Versicherungen oder Vereinsbeiträge fehlen oft. Nutze die Liste als Grundlage und ergänze sie mit der Checkliste weiter unten.

Girokonto wechseln in sechs Schritten

  1. Neues Konto eröffnen. Eröffne das neue Konto, bevor du am alten etwas änderst. Prüfe vorher, ob du die Bedingung für ein kostenloses Girokonto dauerhaft erfüllst und ob du die Karten bekommst, die du brauchst.
  2. Zahlungspartner informieren. Nutze den Kontowechselservice oder die gesetzliche Kontowechselhilfe und ergänze die Liste manuell. Der Arbeitgeber gehört an die erste Stelle.
  3. Daueraufträge und Lastschriften umziehen. Daueraufträge legst du auf dem neuen Konto selbst an. Lastschriften laufen erst um, wenn der Zahlungsempfänger die neue IBAN übernommen hat – das kann ein bis zwei Abbuchungszyklen dauern.
  4. Gehalt umleiten. Erst wenn das erste Gehalt auf dem neuen Konto eingegangen ist, ist der Mindestgeldeingang gesichert und die Kostenfreiheit greift.
  5. Parallelbetrieb für 2 bis 3 Monate. Lass auf dem alten Konto ein Guthaben stehen, das die laufenden Abbuchungen deckt. Prüfe monatlich, welche Zahlungen noch dort ankommen, und stelle sie um.
  6. Altes Konto kündigen. Wenn zwei Monate lang nichts mehr auf dem alten Konto gebucht wurde, kündigst du schriftlich oder über den Wechselservice und lässt das Restguthaben überweisen.

Checkliste: Diese Zahlungspartner brauchen deine neue IBAN

  • Arbeitgeber, Rentenversicherung, Jobcenter oder Familienkasse (Kindergeld)
  • Vermieter oder Bank für die Baufinanzierung, Nebenkosten, Strom, Gas, Wasser
  • Telefon, Internet, Mobilfunk, Rundfunkbeitrag
  • Kranken-, Haftpflicht-, Hausrat-, Kfz- und Lebensversicherung
  • Finanzamt (Einkommensteuer, Kfz-Steuer), Stadtverwaltung (Müll, Grundsteuer)
  • Streaming, Zeitungen, Fitnessstudio, Vereine, Spenden
  • Online-Händler und Bezahldienste mit hinterlegter Bankverbindung
  • Kreditkarte, Ratenkredit, Depot, Sparpläne, Bausparvertrag
  • Kita, Schule, Mensa, Unterhalt
  • Freistellungsauftrag und Kirchensteuermerkmal beim neuen Institut

Bank wechseln: Was beachten, damit nichts schiefgeht

Die typischen Fehler beim Kontowechsel sind fast immer Fehler der Reihenfolge. Der häufigste: das alte Konto zu früh kündigen. Wird eine Lastschrift dann nicht eingelöst, entstehen Rücklastschriftgebühren beim Zahlungsempfänger und im schlimmsten Fall ein Mahnverfahren.

Zweitens der Dispo. Ein Dispo ist der eingeräumte Überziehungsrahmen deines Kontos. Ist das alte Konto im Minus, musst du es vor der Schließung ausgleichen; die neue Bank räumt dir einen Dispo erst nach einigen Monaten Geldeingang ein. Plane den Ausgleich also ein, bevor du kündigst.

Drittens die Kreditkarte. Eine echte Kreditkarte hängt meist am alten Girokonto, von dem die Monatsabrechnung eingezogen wird. Wird das Konto geschlossen, läuft die Abrechnung ins Leere. Kündige die Karte mit oder lasse sie auf das neue Konto umstellen. Auch Depots und Sparpläne haben ein Verrechnungskonto, das du umstellen musst.

Viertens der Freistellungsauftrag. Er gilt nur beim jeweiligen Institut. Beim neuen Institut stellst du ihn neu, beim alten kannst du ihn löschen, damit dein Gesamtfreibetrag nicht verrechnet wird.

Achtung. Stelle die IBAN beim Arbeitgeber erst um, wenn das neue Konto vollständig aktiviert ist und die Karten angekommen sind. Ein Gehalt, das auf einem gesperrten oder noch nicht freigeschalteten Konto landet, kann wochenlang festhängen.

Was kostet der Kontowechsel?

Die Kündigung deines Girokontos ist kostenlos, und die Kündigungsfrist darf höchstens einen Monat betragen. Auch die Kontoschließung selbst darf die Bank nicht berechnen. Die Kontowechselhilfe nach ZKG und die digitalen Wechselservices sind bei den Banken in unserem Vergleich in der Regel kostenlos; die verbindliche Angabe steht in der Entgeltinformation.

Kosten entstehen eher indirekt: die Kontoführungsgebühr am alten Konto während des Parallelbetriebs, eine einmalige Gebühr für die physische Karte bei manchen Neobanken oder Rücklastschriftgebühren, wenn eine Umstellung vergessen wurde. Wer den Wechsel in der beschriebenen Reihenfolge angeht, bleibt meist bei 0 € oder einem niedrigen zweistelligen Betrag.

Tipp. Den vollständigen, gesetzlich vorgeschriebenen Vergleich aller Zahlungskonten in Deutschland – nicht nur unserer 13 – findest du im Kontenvergleich der BaFin.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Kontowechsel?

Ein Kontowechsel dauert mit dem gesetzlichen Verfahren etwa zwei Wochen, weil das Zahlungskontengesetz beiden Banken Fristen von wenigen Geschäftstagen setzt. Digitale Kontowechselservices sind oft schneller. Für den Parallelbetrieb bis zur Kündigung des alten Kontos solltest du zusätzlich zwei bis drei Monate einplanen.

Ist der Kontowechselservice gesetzlich vorgeschrieben?

Ja, nach dem Zahlungskontengesetz muss jede Bank in Deutschland bei einem Kontowechsel mitwirken, wenn du es beantragst. Die alte Bank muss Daueraufträge, Lastschriften und eingehende Zahlungen an die neue Bank übermitteln. Die digitalen Wechselservices der Banken sind ein zusätzliches, freiwilliges Angebot.

Wann sollte ich das alte Konto kündigen?

Kündige das alte Konto erst, wenn zwei bis drei Monate lang keine Zahlung mehr darauf eingegangen oder abgebucht wurde. Vorher können Lastschriften platzen, die der Zahlungsempfänger noch nicht umgestellt hat. Gleiche vor der Kündigung auch einen offenen Dispo aus.

Kostet die Kündigung eines Girokontos etwas?

Nein, die Kündigung und die Schließung eines Girokontos sind kostenlos. Die Kündigungsfrist darf höchstens einen Monat betragen, viele Banken schließen das Konto auch sofort. Das Restguthaben überweist die Bank auf ein Konto deiner Wahl.

Was passiert mit dem Dispo beim Kontowechsel?

Ein Dispo muss vor der Schließung des alten Kontos ausgeglichen sein. Auf dem neuen Konto räumt die Bank einen Dispo meist erst nach einigen Monaten regelmäßigen Geldeingangs ein. Manche Neobanken bieten gar keinen Dispo an.

Muss ich meinen Arbeitgeber selbst informieren?

Ja, in der Praxis meldest du die neue IBAN am besten selbst bei der Personalabteilung. Der Kontowechselservice kann den Arbeitgeber zwar anschreiben, viele Unternehmen akzeptieren eine Änderung der Bankverbindung aber nur direkt von dir.