Dispozinsen verstehen: So rechnet die Bank, wenn dein Konto im Minus ist
Dispozinsen fallen an, sobald du dein Girokonto überziehst – und sie gehören zu den teuersten Zinsen, die Privatkunden zahlen. Auf dieser Seite erfährst du, wie ein Dispokredit funktioniert, wie die Bank die Zinsen berechnet, was 13 Banken laut Preisverzeichnis verlangen und welche Alternativen es bei dauerhaftem Minus gibt.
Was ist ein Dispokredit – und was eine geduldete Überziehung?
Ein Dispokredit, kurz Dispo, ist eine von der Bank eingeräumte Überziehungsmöglichkeit auf dem Girokonto. Rechtlich ist das eine „eingeräumte Überziehung“ nach § 504 BGB: Die Bank legt einen Rahmen fest, meist das Zwei- bis Dreifache des regelmäßigen Geldeingangs. Zinsen zahlst du nur für den Betrag und die Tage, die du tatsächlich im Minus bist.
Davon zu unterscheiden ist die „geduldete Überziehung“ nach § 505 BGB. Sie liegt vor, wenn du ohne Dispo ins Minus rutschst oder deinen Dispo überschreitest und die Bank die Buchung trotzdem ausführt. Dafür verlangen viele Banken einen höheren Zinssatz. Bei Commerzbank und Postbank liegt dieser Satz laut Preisverzeichnis über dem des Dispos (Stand September 2026); andere Banken lehnen Überziehungen ohne Dispo ab.
Ob und in welcher Höhe du einen Dispo bekommst, entscheidet die Bank anhand von Bonität und Geldeingang. Du bist nicht verpflichtet, ihn zu nutzen oder zu beantragen.
Wie berechnet die Bank die Zinsen für den Dispo?
Die Bank rechnet taggenau: Für jeden Tag im Minus fällt der Jahreszins anteilig an. Die Formel lautet:
Zinsen = überzogener Betrag × Zinssatz p. a. × Tage im Minus ÷ 365
Ob die Bank mit 365 oder 360 Tagen rechnet, steht im Preisverzeichnis; der Unterschied ist gering. Die Zinsen werden meist quartalsweise belastet und vergrößern dann das Minus.
Beispielrechnung (fiktive Zahlen). Du überziehst dein Konto 30 Tage lang um 500 € bei einem angenommenen Sollzins von 10 % p. a.: 500 € × 0,10 × 30 ÷ 365 ≈ 4,11 €. Bei 2.000 € über ein ganzes Jahr wären es mit demselben Zinssatz rund 200 €. Die 10 % sind ein Rechenbeispiel, keine Angabe einer bestimmten Bank.
Wer nur ein paar Tage vor dem Gehaltseingang ein kleines Minus überbrückt, zahlt also Centbeträge. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt jedes Jahr einen zweistelligen Prozentsatz seines Schuldenstands – ohne dass sich das Minus verringert.
Warum ist der Sollzins beim Dispo variabel?
Fast alle Banken vereinbaren für den Dispo einen variablen Sollzins. Er ist an einen Referenzzinssatz gekoppelt, etwa an einen Zinssatz der Europäischen Zentralbank oder den Euribor, und ändert sich in demselben Maß wie dieser. Steigen die Leitzinsen, steigt zeitnah auch der Dispozins; sinken sie, muss die Bank nach denselben Regeln nachziehen. Über Änderungen muss die Bank dich informieren, meist per Kontoauszug. Weil sich die Zinsen laufend ändern, tragen alle Angaben auf dieser Seite ein Stand-Datum.
Sollzinsen der 13 Banken laut Preisverzeichnis
Die Tabelle nennt den variablen Sollzins für die eingeräumte Überziehung, Stand September 2026, laut Preisverzeichnis der jeweiligen Bank. Die Reihenfolge ist alphabetisch, keine Rangfolge. Staffeln nach Bonität oder Kontostatus stehen in Klammern.
| Bank | Dispozins p. a. (variabler Sollzins, Stand September 2026 laut Preisverzeichnis) |
|---|---|
| 1822direkt | 9,90 % |
| C24 Bank | 7,49 % (bonitätsabhängig bis 11,49 %) |
| comdirect | 8,90 % Sollzins (effektiver Jahreszins 9,20 %) |
| Commerzbank | 11,90 % (geduldete Überziehung 14,40 %) |
| Consorsbank | 9,65 % (Angabe der Bank älteren Datums; im aktuellen Preisverzeichnis prüfen) |
| DKB | 8,51 % (7,91 % mit Aktivstatus ab 700 € Geldeingang) |
| ING | 9,14 % |
| N26 | 13,40 % (laut Dispokredit-Seite der Bank) |
| norisbank | 10,75 % |
| Postbank | 11,04 % (geduldete Überziehung 12,85 %) |
| Revolut | kein Dispokredit |
| Santander | 10,45 % bis 500 € (11,45 % bis 1.000 €, 13,70 % darüber) |
| Trade Republic | kein Dispokredit |
Alle Werte sind Sollzinssätze laut Bank; der effektive Jahreszins kann leicht abweichen. Wo eine Bank nach Bonität staffelt, erfährst du deinen persönlichen Satz erst mit der Dispozusage. Ein Dispozinsen-Vergleich sollte nie das einzige Kriterium für die Kontowahl sein, weil ein Dispo idealerweise selten genutzt wird. Alle weiteren Kosten eines Kontos erklärt der Ratgeber Was kostet ein Girokonto wirklich?.
Auswahl, nicht Markt. Wir vergleichen 13 Konten; alle Zahlungskonten listet der Kontenvergleich der BaFin.
Welche Banken bieten keinen Dispo an?
Trade Republic und Revolut räumen laut ihren Preisverzeichnissen keinen Dispokredit ein. Das Konto ist ein reines Guthabenkonto: Zahlungen werden nur ausgeführt, wenn das Guthaben reicht. Für manche ist das ein Nachteil, weil eine unerwartete Abbuchung scheitern kann, für andere ein Vorteil, weil das Konto nie ins Minus rutscht.
Wer ein Konto ohne Dispo nutzt, sollte Lastschriften wie Miete oder Strom im Blick behalten und einen Puffer lassen; eine geplatzte Lastschrift kann Gebühren beim Zahlungsempfänger auslösen. Welche Konten einen Dispo anbieten, siehst du im Girokonto-Vergleich.
Dispo umschulden: Alternativen bei dauerhaftem Minus
Ein Dispo ist für kurze Engpässe gedacht. Steht dein Konto dauerhaft im Minus, gibt es allgemein drei Wege. Erstens ein Ratenkredit: Er hat üblicherweise einen festen, meist niedrigeren Zinssatz und eine feste Laufzeit, sodass das Minus planbar abgebaut wird. Ob das für dich sinnvoll ist, hängt von Bonität und Konditionen ab – wir sprechen keine Kreditempfehlung aus.
Zweitens ein Haushaltsplan: Wer über zwei, drei Monate alle Einnahmen und Ausgaben notiert, findet fast immer Posten, die sich kürzen lassen. Drittens das Gespräch mit der Bank: Bei dauerhafter Überziehung sind Banken verpflichtet, eine Beratung anzubieten. Unabhängige Hilfe bekommst du bei Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungen.
Tipp. Du kannst deinen Dispo jederzeit selbst begrenzen oder auf null setzen, meist direkt in der Banking-App. Ein niedriger Rahmen schützt davor, dass aus einem Puffer ein Dauerkredit wird.
Warnsignale: Wann der Dispo zum Problem wird
- Das Konto ist am Tag des Gehaltseingangs noch im Minus oder wird nur kurz positiv.
- Die Zinsabrechnung fällt dir nicht mehr auf, weil das Minus ohnehin da ist.
- Du nutzt den Dispo für planbare Ausgaben wie Versicherungen oder Urlaub.
- Der Dispo ist ausgereizt und die Bank hat bereits eine geduldete Überziehung berechnet.
- Du überlegst, den Rahmen erhöhen zu lassen, statt das Minus abzubauen.
Trifft mehr als ein Punkt zu, lohnt sich ein Kassensturz. Je früher du das Minus angehst, desto weniger Zinsen fallen an – und ein ausgereizter Dispo lässt sich bei einem Kontowechsel nicht einfach zur neuen Bank mitnehmen.
Häufige Fragen
Was sind Dispozinsen?
Dispozinsen sind die Sollzinsen, die eine Bank verlangt, wenn du dein Girokonto im Rahmen des eingeräumten Dispokredits überziehst. Sie werden taggenau berechnet und meist vierteljährlich abgebucht. Der Zinssatz ist in der Regel variabel und steht im Preisverzeichnis der Bank.
Wie kann ich meine Dispo-Zinsen selbst berechnen?
Multipliziere den überzogenen Betrag mit dem Jahreszinssatz und der Anzahl der Tage im Minus und teile das Ergebnis durch 365. Beispiel mit fiktiven Zahlen: 500 € × 0,10 × 30 ÷ 365 ergibt rund 4,11 € für 30 Tage bei 10 % p. a. Den genauen Zinssatz findest du im Preisverzeichnis deiner Bank.
Was ist der Unterschied zwischen Dispokredit und geduldeter Überziehung?
Der Dispokredit ist eine vorab von der Bank eingeräumte Überziehung nach § 504 BGB, die geduldete Überziehung nach § 505 BGB entsteht ohne Vereinbarung oder über den Dispo hinaus. Für die geduldete Überziehung verlangen viele Banken einen höheren Zinssatz. Manche Banken lassen Überziehungen ohne Dispo gar nicht zu.
Warum sind Dispozinsen variabel?
Dispozinsen sind an einen Referenzzinssatz gekoppelt, etwa an einen Zins der Europäischen Zentralbank oder den Euribor. Ändert sich der Referenzwert, passt die Bank den Dispozins in gleichem Maß an. Deshalb tragen alle Zinsangaben ein Stand-Datum.
Welche Banken haben keinen Dispo?
Trade Republic und Revolut bieten laut ihren Preisverzeichnissen keinen Dispokredit an (Stand September 2026). Das Konto funktioniert dort auf Guthabenbasis, Zahlungen werden nur bei ausreichendem Guthaben ausgeführt. Ein Minus ist damit ausgeschlossen, eine Lastschrift kann aber platzen.
Wann lohnt es sich, den Dispo umzuschulden?
Eine Umschuldung lohnt sich, wenn das Konto seit Monaten dauerhaft im Minus steht und sich das aus dem laufenden Einkommen nicht ändern lässt. Ein Ratenkredit hat meist einen festen, niedrigeren Zinssatz und eine feste Laufzeit. Ob er passt, hängt von Bonität und Konditionen ab; Verbraucherzentralen beraten unabhängig.